Neurodegenerative Erkrankung

Neurodegenerative Erkrankung

Das Geheimnis des bisher mysteriösen Teils des Gehirns, wurde laut einer aktuellen Studie zufolge, enträtselt. Diese Entdeckung kann möglicherweise Details zur Entstehung von neurogenerativen Erkrankungen, wie Alzheimer, liefern. Außerdem könnten neue Wege bei den neuroprotektiven Therapien erschlossen werden.

Was ist eine neurodegenerative Erkrankung?

Grüner Star und ein Glaukom fallen unter den Begriff von neudegenerativen Erkrankungen. Bei diesem Krankheitsbild verlieren Patienten wie zufällig bestimmte Abschnitte von ihrem Gesichtsfeld in jedem Auge. Dieses zufällig anmutende Muster im Sehbereich, hat einen starken Kontrast beim Verlust des Sehvermögens, beispielsweise nach einem Schlaganfall oder einem Gehirntumor. Aber auch dort, entstehen sogenannte „blinde Flecken“. Wissenschaftler haben lange angenommen, dass das Weiterentwickeln eines Glaukoms, nicht abhängig von der Gehirnfunktion ist. Aber neuesten Entwicklungen zufolge, fanden Forscher im vergangenen Jahr Hinweise darauf, dass ein Glaukom sich nicht willkürlich weiterentwickelt und dass das Gehirn sehr wohl mit beteiligt ist.

Verständigen sich beide Augen untereinander?

Gerade beim moderaten bis ernsthaften Grünen Star, der sich auf einem Auge zeigt, konnten Patienten auch weiter sehen, währenddessen sie auf dem anderen Auge erblindeten. Es wird eine Weise festgestellt, dass das Stück des verbleibenden Sehfeldes sich mit dem anderen wie zwei Teile in einem Puzzle ergänzen. Dieses Phänomen wurde „Jigsaw-Effekt“ genannt. Aus diesen Informationen stellen die Wissenschaftler fest, dass es zwischen den Augen eine „Verständigung“ geben muss. Diese Verständigung muss im Gehirn stattfinden, wie der Leiter der Studie festgestellt hat.

Der Jigsaw-Effekt

In der Studie wurde festgestellt, dass der Jigsaw-Effekt sich schon in einem früheren Stadium des Glaukoms zeigt. Es wurden Hinweise gefunden, welcher Teil des Gehirns für diese „Verständigung“ zwischen den Augen und einer ausgleichenden Verbesserung des Sehfeldes verantwortlich zeichnet. Diese Entdeckung stellt alle bisherigen Studien in den Schatten und ist zudem eine Herausforderung aller bisher bekannten Folgerungen über den Grünen Star. Sie wurden mit einer entsprechenden Skepsis aufgenommen. Andere Experten hielten dagegen mit dem Argument, wenn das Gehirn den Sehverlust der durch ein Glaukom entsteht, kontrolliert und ausgleicht, müsste doch die Fähigkeit des Sehens eines Patienten mit zwei Augen besser sein, als wenn man nur die Sehfähigkeit beider Augen miteinander vermischt und an diese anpasst. Es wurden dabei dahingehende Untersuchungen durchgeführt, um die neue These zu widerlegen.

Der Schlüssel mit dem der Sehverlust ausgeglichen wird

Aber der Jigsaw-Effekt kann nachgewiesen werden. Das Team der Studie bestätigte dies. Der Schlüssel, an dem das Gehirn den eigentlichen Sehverlust ausgleicht, fand sich in äußerst kleinen, bogenförmigen Mustern im Bereich des Sehfeldes des betroffenen Patienten. Diese Muster zeichnen Strukturen, die sich im hinteren Bereich des Gehirns finden, sie sind bekannt als Okulare-Dominanz-Säulen. Allerdings ist ihre Funktion noch nicht vollständig untersucht, wobei einige mit der Funktion des rechten Auges korrespondieren, andere nur mit dem linken. Dem neuen Bericht zufolge, sind die winzigen Spalten die sich zwischen den Säulen befinden, dem rechten oder dem linken Auge zugeordnet. Sie sind der Bereich, wo das Gehirn das Sehfeld des einen Auges mit dem des anderen koordiniert. Wenn man absieht, was das Gehirn benötigt, so können diese Spalten praktisch wie ein Übersetzer an der Grenze zwischen zwei Ländern, mit den beiden Augen eine Übereinkunft herstellen.

Eröffnen sich neue Therapien durch den Jigsaw-Effekt?

Das weitere Fortschreiten von Alzheimer oder Parkinson, dessen Ablauf auf neurodegenerative Vorgänge zurückgeht, wie das Glaukom auch, so könnte es durch die Einwirkung des Gehirns moderiert werden. Das Gehirn will verhindern, dass sich dieselbe Funktion auf beiden Seiten verliert, wenn es sich vermeiden ließe. Es wird versuchen zu kompensieren. Dabei stellt es sich heraus, dass es ähnliche protektive Mechanismen gibt, egal welche neurodegenerative Erkrankungen vorliegen.
Kann das Gehirn neurodegenerative Abläufe kontrollieren? Diese Kontrollmechanismen müssen intensiv erforscht werden, damit die genannten Erkrankungen aufgehalten werden und sich ganz neue Perspektiven über mögliche Therapien ergeben.