THERAPIEMÖGLICHKEITEN DES GLAUKOM

Für eine Behandlung des Glaukoms ist die medikamentöse Form von Augentropfen anwendbar. In manchen Fällen ist eine Operation zudem ebenfalls denkbar.

 

Der Augendruck als wichtiger Faktor, jedoch nicht als einziges „Augenmaß“

Wichtigste Behandlungsmaßnahme des Glaukoms ist die Senkung des Augeninnendrucks. Der behandelnde Arzt muss dabei anhand individueller Untersuchungsergebnisse und Risiken in jedem Einzelfall abwägen, ob der Druck gesenkt werden muss.
Der Patient ist dabei stets einzubeziehen und es ist wichtig, dass der Richtige Zeitpunkt für die Behandlung nicht verpasst wird und diese mit guter Begründung einzuleiten.

 

Therapiemöglichkeit: individueller Zieldruck zur Erhaltung des Sehvermögens

Ärzte bezeichnen den Augeninnendruck als „statistisch, da die Grenz- und Normwerte hierbei nicht generell verbindliche Werte aufweisen und Abweichungswerte haben. Dies ist zu beachten, da ein fortschreitender Sehnervenschaden auch bei einem Absinken des Augeninnendruckes auf Werte von unter 21 mmhH nicht immer verhindert werden kann.

Wichtig ist zudem auch, dass die Entwicklung eines Glaukoms nicht bei jedem Patient mit einer Erhöhung des Augeninnendrucks eintritt. In umgekehrten Fällen kann ein solches auch bei durchschnittlich normalem, jedoch individuell zu hohem Innendruck des Auges entstehen.

In den heutigen Therapien eines Normaldruckglaukoms werden Werte unter 12 mmHg beim Zieldruck oder eine Drucksenkung von 30 Prozent angestrebt. Demnach erfolgt die Behandlung wie bei einem druckerhöhten Offenwinkelglaukom. Prinzipiell ist zu sagen: je größer der Fortschritt des Glaukoms, umso niedriger ist der Zieldruck in der Therapie auszuwählen. Ist bereits ein Ausfall des Gesichtsfeldes eingetreten, gilt ein Glaukom als fortgeschritten.

Solange der Augeninnendruck konstant unter 18 mmHg bleibt, treten bei Patienten mit chronischer Erkrankung durch ein Offenwinkelglaukom allgemein keine zusätzlichen Schäden ein, so die Annahme aus neuen Forschungsergebnissen.

Bei Patienten mit diagnostiziertem Normaldruckglaukom muss der Blutdruck im Körper ebenfalls berücksichtigt werden. Liegen hier erhöhte Werte vor, können diese in der Nacht heftiger sinken. Es gilt dann zu niedrige Blutruckwerte nachts zu vermeiden, damit eine Durchblutung des Sehnervs nicht gefährdet wird. Dies könnte zur Folge haben, dass Blutdruck senkende Arzneimitteltherapien unter dauernder Kontrolle angepasst werden müssen. Langzeitblutdruckmessungen (ambulante Blutdrucklangzeitmessung, verkürzt ABDM genannt) sind zur Bewertung der Situation sinnvoll. Die Hinzuziehung eines Herz-Kreislauf-Spezialisten (Kardiologe) obliegt in der Entscheidung des behandelnden Hausarztes.

Zu niedriger Blutdruck, auch arterielle Hypotonie genannt, ist ein in Risikofaktor beim normalen Hochdruckglaukom, besonders aber beim Normaldruckglaukom. Dagegen wird eine essentielle Hypotonie nur in wenigen Fällen medikamentös behandelt; auf die Senkung des Augeninnendrucks muss dagegen konsequenter hingewirkt werden.

Für die Glaukom-Behandlung ist grundsätzlich immer der Facharzt verantwortlich. Begleitende Krankheiten und deren Behandlung wird der Augenarzt aber mit den jeweils zuständigen Spezialisten abstimmen.

Verschiedene Medikamente in Form von Augentropfen sind zur Behandlung des Offenwinkelglaukoms (mit „Normaldruck“, bei Erhöhung des Augeninnendrucks) verfügbar.

Notwendig wird eine Operation also dann, der individuell zu erreichende Zieldruck auch mit einer ausgereizten Behandlung durch Arzneimittel dauerhaft nicht erreicht werden kann.

Insgesamt ist diese Methode vielmals sehr erfolgsversprechend, sodass das Glaukom aufgehalten werden und die Sehkraft stabilisiert werden kann.

 

Erfolg durch stetes Tropfen

Als das am häufigsten auftretende primäre Glaukom kann eine Behandlung des chronischen Offenwinkelglaukom iin den meisten Fällen komplikationslos durch Medikamente erfolgen. Die Durchführung der Behandlung anhand der benötigten Augentropfen erfolgt zeitlebens.

Carboanhydrasehemmer und Prostaglandine sind die gängigen Wirkstoffe. Dabei vermindern die Carboanhydrasehemmer eine Produktion von Kammerwasser und die Prostaglandine erhöhen den Abfluss. Das gleiche Prinzip gilt auch für die entwickelten Betarezeptorenblocker.

Die Trophen-Therapie
1. Schritt: Prostaglandine, tägliche Anwendung 1x
2. Schritt: Prostaglandine + Carboanhydrasehemmer, tägliche Anwendung 2x
3. Schritt: Prostaglandine + Carboanhydrasehemmer + Betarezeptorenblocker, tägliche Anwendung 1-2x

Zur Vereinfachung der Handhabung sind die vorgenannten Kombinationen auch bereits als fertige Präparate zu erhalten. Bei Krankheiten wie chronisch-spastischer Bronchitis oder Asthma sollten Augentropfen mit Betablocker jedoch keinesfalls verwendet werden. Die Anwendung bei Patienten mit Herzschwäche, besonderen Herzrhythmusstörungen oder zu niedrigem Blutdruck sollte zudem nur mit äußerster Vorsicht erfolgen.

Der Großteil an Glaukom-Patienten lässt sich durch die genannten Arzneistoffe ausgezeichnet behandeln. Zusätzlich sind weitere, jedoch seltener zur Behandlung verwendete Wirkstoffe in Form von Augentropfen verfügbar.

Eine Notfallsituation aufgrund drohender Erblindungsgefahr stellt der akute Glaukomanfall dar. Starke Schmerzen, intensive Sehstörungen und Symptome wie Erbrechen und Übelkeit sind zusätzliche Beschwerden.

Eine Senkung des stark angestiegenen Augeninnendrucks muss schnell erfolgen. Dies kann durch Carboanhydrasehemmern wie z.B. Acetazolamid (intravinöse Verabreichung) medikamentös und kombiniert mit Tropfen erfolgen, welche einen Pilokarpin oder einen Betablocker enthalten. Dabei verengt das Pilokarpin die Pupille so, dass sich der Kammerwinkel wieder öffnen und anfallendes Kammerwasser ablaufen kann.

Anschließend stabilisiert sich im Normalfall der Augeninnendruck und kehrt in akzeptable Bereiche zurück. Zur Vorbeugung weiterer Anfälle ist die Öffnung an der Basis der Regenbogenhaut in einem minimalen Bereich die einzige Möglichkeit. Dies kann durch eine chirurgischen Eingriff oder eine Laserbehandlung (Iridotomie) erfolgen.

 

Laser oder Skalpell bei der Glaukom-Operation?

Bei allen primär auftretenden Glaukomformen kommt zur Verbesserung des Abflusses von Kammerwasser eine Operation in Betracht, falls Medikamente nicht ausreichend wirken. Dabei wird zumeist entweder die Variante Laser-Trabekuloplastik oder ein sogenannter fistulierender Eingriff (Filtrationsoperation) angewendet.
Klassische und nur geringfügig unterschiedliche Versionen der Filtrationsoperation sind die gedeckte Goniotrepanation und die Trabekulektomie. dabei soll ein künstliche Abflussweg des Kammerwassers unter die Bindehaut herbeigeführt werden. Im Trabekelwerk als schwammartiges Gewebe des Kammerwinkels wird dazu eine Öffnung zur Augenkammer gebildet.

Für abgebremsten Abfluss sorgt dabei eine Art Gewebedeckelung. Durch eine gut abdichtende Naht wird die Bindehaut oberhalb der Abflussstelle behandelt. Dabei kann zur Vorbeugung eines späteren narbigen Verschlusses des Abflussareals eine Zellteilung hemmendes Medikament verabreicht werden.

Die sogenannte Kanaloplastik ist eine neuere und vielversprechende Operationsmethode. Dabei wird zunächst der Sammelkanal des Kammerwasserabflusses katheterisiert durch Mikrosonde und anschließend mit dauerhaftem Faden versorgt. Folge davon ist die Aufbesserung des Kanals und eine Verbesserung des Kammerwasserabflusses. Die Vorgehensweise hat zum Vorteil, dass es im Vergleich zur Trabekulektomie niedrigere Wirkung auf die Drucksenkung hat, jedoch wesentlich komplikationsärmer ist.

Bei der Anwendung von Laser-Trabekuloplastik richtet man einen Argonlaser gezielt auf viele Stellen des Trabekelgewebes. Als Folge daraus bilden sich Narben, welche durch den entstehenden Zug den Abfluss von Kammerwassers verbessern und den Augeninnendruck senken. Eine Wirkung ist jedoch weder von Dauer noch von vornherein immer gegeben.

Eine Bearbeitung des Ziliarkörpers selber kann durch den Laser erfolgen. In dem Verfahren namens Photokoagulation wird das Gewebe so reduziert, dass sich im Auge weniger Kammerwasser bildet. Eine Laser-Operation erfolgt oftmals anschließend an einen akuten Winkelblock. Bei einer sog. Iridotomie erfolgt eine Öffnung an der Irisbasis emithilfe eines Laserstrahls. Im Gegensatz dazu erfolgt dies bei der Iridektomie chirurgisch. Hier muss die Hornhaut im kleinen Bereich geöffnet werden, sodass der Chirurg an die Irisbasis vordringen und den dort notwendigen Schnitt anlegen kann.

Sofern auch am zweiten Auge eine Verengung des Kammerwinkels gegeben ist, kann dieses ebenfalls zur Vorbeugung operiert werden. Dies erfolgt mit dem Ziel, dass dem Kammerwasser ein Abfluss zu Hinter- und Vorderkammer der Augen ermöglicht wird, sofern ein Verschluss des Kammerwinkeld anhand des androhenden Glaukomanfalls bevorsteht.

 

Sekundäres Glaukom

Aufgrund der komplexen Behandlung ist ein Erfolg allein durch Augentropfen hier oft nicht erfolgsversprechend. Es gilt, die zugrundeliegende Erkrankung des Auges oder außerhalb davon zu beherrschen. Außerdem muss eine „Reinigung“ der am Kammerwinkel auftretenden Schwierigkeiten erfolgen, sofern ein Engpass die Folge des Augenproblem ist. Ein entsprechender Eingriff ist notwendig, ebenso wie möglicherweise weitere Maßnahmen, welche unter Anderem an der Netzhaus anfallen können.

Wichtig für Patienten mit PEX-Syndrom oder PEX-Glaukom ist eine engmaschige Kontrolle und frühzeitige Behandlung durch einen Augenarzt, wobei die Therapie mit der beim Offenwinkelglaukoms übereinstimmit. Dabei ist der Hauptunterschied, dass bei einem normalen Ergebnis der Untersuchung von Sehnerv und Gesichtsfeld hier auch eine Erhöhung des Augeninnendrucks möglichst effektiv gesenkt wird. Der individuelle Zieldruck hängt vom erreichten Krankheitsstadium sowie dem Schaden am Sehnerv ab. Sofern der aufkommende Druck nicht gesenkt werden kann, ist ein operativer Eingriff entsprechend des Ergebnisses aus dem jeweiligen Befund notwendig. Sofern gleichzeitig grauer Star vorliegt, kann eine Operation desselben im gleichen Schritt erfolgen. Dadurch kann der Augeninnendruck für eine gewisse Zeit positiv beeinflusst werden. Erfolgt eine solche Augendruckerhöhung aufgrund eingenommener Arzneimittel, ist eine kritische Abwägung zur Notwendigkeit oder Absetzung notwendig durchzuführen. Die Absetzung eines verordneten Medikamentes sollte jedoch immer in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.